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                         KONGREGATION DER                            
TÖCHTER DER GÖTTLICHEN LIEBE
 

1868 - Menschenscharen strömen nach Wien. Nicht nur, weil die Kaiserstadt so schön ist, sondern weil man hofft, hier Arbeit zu finden, ein Einkommen, mit dem man das Angebot an Waren, das die Fabriken neuerdings auf den Markt werfen, auch finanzieren kann. Vorläufig aber steht man vielleicht auf dem Bahnhof. Damals wie heute waren unerfahrene junge Leute gefährdet. Damals kamen sie in großer Zahl, völlig mittellos, und der Arbeitsmarkt konnte sie nicht aufnehmen.

Aus Bayern kommt Franziska Lechner nach Wien. Sie ist eine ausgebildete Arbeitslehrerin und hat ihre ersten Erfahrungen in Sozialarbeit in München und in der Schweiz gesammelt. Sie hat ein großes Herz für die Menschen, sie ist tüchtig und resolut. Sie weiß sich von Gott berufen, den jungen Mädchen zu helfen, die sonst keine Hilfe haben. Einige junge Frauen haben sich ihr angeschlossen. Finanzielle Mittel haben sie nicht. Eine staatliche Fürsorge gibt es nicht. Was also tun?

Ein Haus muss her, ein Dach über dem Kopf, für die armen Mädchen und für die Schwestern. Es findet sich schließlich in der Fasangasse 4, im dritten Wiener Gemeindebezirk. Hier wird Arbeit gelehrt, mit der man Geld verdienen kann. Der Unterricht in Religion, Rechtschreibung, Rechnen, gutem Benehmen gibt Selbstbewusstsein und Horizont. Eine berufsbegleitende Betreuung gibt den Mädchen einen Ort, wo sie ihre spärliche Freizeit verbringen und über ihre Probleme reden können.

Die Gassenkinder, die Kinder der berufstätigen Mütter im Fasanviertel, brauchen Unterricht und Tagesbetreuung. Waisenkinder brauchen ein Zuhause. Alt gewordene Hausangestellte, man nennt sie „dienstuntaugliche Mägde“, stehen unversorgt auf der Straße. Es gibt viel Arbeit für Mutter Franziska und ihre Töchter. Bürgerfrauen, in deren Haushalt unsere Mädchen arbeiten, suchen eine Schule, in der ihre Töchter das lernen, was ihre Dienstmädchen können. Die Frauenbildung gewinnt Profil.

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