Dialog und Standbilder zu "Kabale und Liebe"

Ferdinand: Oh, Luise, Wesen unbefleckter als des Hollers weiße Kleider (ergreift ihre Hand). Sei dir sicher, deine Bedenken werden mit Gewissheit ins Ungewisse verlaufen!   
 
Luise (versucht sich zu entziehen und wendet sich mit besorgtem Blick ab): Mein liebster Ferdinand, es kann so nicht weitergehen! Die Flamme deiner Liebe brennt unentwegt, weht wie ein Sturm über die weite Flur, bis nichts mehr übrig ist von meinem irdischen Gefängnis. Zügle des Feuers Brunst, bevor sie uns vernichtet!
 
Ferdinand (fällt nieder auf seine Knie und fleht seine Angebetete an): Der soziale Abstieg meiner selbst ist längst nicht entschieden, doch unser beider emotionaler Aufstieg ist bereits in Stein gemeißelt. Ich werde die Kluft der Stände mit einer Brücke verbinden, gebaut aus den Trümmern unserer zerstörten Träume.
 
Luise: Du redest wie von Sinnen. Auch mein ungestilltes Verlangen nach dir zerbirst vor sehnsüchtiger Zuneigung. Unsere Väter werden jeden gelegten Stein zerstören, das System der Gesellschaft legt meine Hände in Ketten, nur deine Berührung lässt mich im Glauben für den einen Moment, die süße Luft der Freiheit zu schmecken.
 
Ferdinand (steht rasch auf und ruft): Jeden Tag unseres Daseins vermag es dir so zu ergehen! Lieber wähle ich den Freitod und entgleite den Fugen der Welt, als dass mir der Duft deiner Haare und der Glanz deiner Augen verwehrt bleiben.
 
Luise: Gehe keinen Pakt mit dem Teufel ein, Ferdinand, der Tod, so lehrte man mich, wählt ein Niemand. Doch die Ehe, die kann jeder arme Tor und Edelmann für sich nehmen ebenso wie das Weib.
 
Ferdinand: Dann sei es so! (Wieder auf seinen Knien, Luises Hand ergreifend) Mit allem, was ich habe, und mit allem, was ich bin, will ich dich fragen, ob du bis ans Ende deiner Tage mein sein willst. Die Welt will ich dir versprechen, doch hier sieht sie keine Zukunft für uns. So wollen wir fliehen im Nebel der Nacht!
 
Luise (blickt ihm tief in die Augen, mit entschlossener Stimme): Ich gebe mich dir hin und will gehen, wohin auch immer deine Hand mich führt. (Beide Hand in Hand ab.)
 
 
Florentina Kössler und Michael Gressler, 6A


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